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Solarstrom fürs Plankton – Aquacopa produziert jetzt CO2-neutral!

 

Anfang des Jahres haben wir endlich damit beginnen können, ein lang angestrebtes Vorhaben anzugehen: wir wollten endlich vom Stromverbraucher zum Stromerzeuger werden und unser Plankton mit der Kraft der Sonne produzieren. Wie sich jetzt zeigt, war es eine gute Entscheidung, den Anlagenbauer Ende Januar mit dem Projekt zu beauftragen, denn die Preise steigen jetzt, wie leider überall, auch für Photovoltaik-Projekte und Anlagenbauer sowie Installateure haben inzwischen teilweise lange Wartelisten. Unser Dach ist jetzt aber endlich eingedeckt und der Strom läuft! Das sieht nicht nur toll aus, sondern ist auch sinnvoll und ein kleiner Beitrag zu einer klimaneutralen Zukunft!

 

Hintergrund, Kosten, Zahlen & Fakten

 

Die Pläne des von Habeck geführten Wirtschaftsministerium zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das sogenannte „Osterpaket“, sind leider etwas mutlos und werden voraussichtlich nicht dazu führen, dass „die Dächer endlich vollgemacht werden“. Zwar sollen sogenannte Voll Einspeiser, also Anlagenbetreiber die 100% ins Netz einspeisen ca. 12 Cent pro kWh bekommen, aber Firmen und Haushalte, die ihren Solarstrom auch selbst verbrauchen wollen, bekommen nur ca. 6,5 Cent/kWh, damit ist eine Anlage die nur überschüssigen Solarstrom einspeist, oft nicht wirtschaftlich. Gerade kleinere Anlagen von unter 10 kWp (Kilowattpeak) sind pro kWp relativ teuer (siehe Abbildung 1).

Nachdem Photovoltaik über einen langen Zeitraum durch die deutlichen Verbesserungen bei den Solarmodulen immer günstiger wurde (siehe Abb. 2), steigen die Preise seit kurzem wieder an, und dieser Trend wird vermutlich noch länger anhalten. Die Faktoren für den Preisanstieg sind vielfältig: steigende Preise für Rohstoffe, dramatisch gestiegene Kosten für den globalen Transport (Container aus China), der Krieg in der Ukraine und die angespannte Weltlage, der Mangel an Fachkräften wie den Installateuren und die Corona-Krise, die uns nun schon seit über zwei Jahren alle belastet.

 

Ein lesenswerter Beitrag, ein Marktkommentar von Martin Schachinger, zu der Krise und den Gründen für die Preisentwicklung und Verknappung befindet sich am Ende dieses Beitrags.

 

Aber nun zurück zu den guten Nachrichten: Aquacopa produziert jetzt Solarstrom! Wir produzieren jetzt mit einer installierten Leistung von 25 kWp etwas dreimal so viel Strom, wie wir selbst im Jahr benötigen. Durch die Integration eines Batteriespeichers können wir einen Teil des selbst erzeugten Stroms speichern und damit auch nachts unsere Pumpen betreiben.

Leider sind wir (noch) nicht unabhängig vom öffentlichen Netz und müssen einen Teil unseres Bedarfs noch vom Stromanbieter beziehen. Wir können jetzt ungefähr 60 % unseres Bedarfs mit dem eigenen Strom abdecken. Batteriespeicher immer noch sehr teuer und damit oft nicht wirtschaftlich. Mittelfristig hoffen wir aber, dass wir einen deutlich höheren Autarkiegrad erreichen können, in dem wir ein Elektroauto in unser Energiekonzept integrieren. Das das E-Auto nur mit Solarstrom geladen werden sollte versteht sich von selbst, viel wichtiger kann aber die Funktion als mobile Batterie werden. Durch sogenanntes bi-direktionales Laden kann die große Autobatterie (50 bis 65 kWh) überschüssigen Solarstrom speichern und bei Bedarf ins Hausnetz zurück speisen. Der überschüssige Strom müsste also nicht für 6,5 Cent „verschenkt“ werden, sondern könnte für den Eigenbedarf gespeichert werden. Leider sind wir in Deutschland noch nicht so weit, dass diese smarte Technologie einfach angewendet werden kann. Einige E-Autos können bereits in beide Richtungen arbeiten, also laden und einspeisen, und entsprechende Wallboxen gibt es auch schon.

Warum die Politik hier nicht handelt und endlich ernsthaft die Energiewende voran bringt ist mir schleierhaft! Diese Technologie schützt darüber hinaus die Netzstabilität, da an sonnigen Tagen nicht sofort alle PV-Anlagen ins öffentliche Netz „drücken“, sondern mehr Energie bei den Erzeugern gespeichert und

 

Rechnet sich denn eine Photovoltaik-Anlage denn nun eigentlich?

 

Wir haben unsere Anlage vor allem aus echter Überzeugung gekauft und installiert! Aber eine wirtschaftliche Betrachtung kann und sollte natürlich trotzdem vorgenommen werden. Die Faktoren zur Berechnung, ob und wann eine Anlage „sich lohnt“ und ob die Anschaffung eines Batteriespeichers sinnvoll ist, sind zahlreich und das Thema füllt ganze Bücher.  Wir wollen hier jetzt eine stark vereinfachte Betrachtung für eine Anlage mit Eigenverbrauch vornehmen. Der wichtigste Faktor für die Wirtschaftlichkeit ist, bei einer Teileinspeisung, der Eigenverbrauch, da die Einspeisevergütung i.d.R. unter den Gestehungskosten liegt. Einfach gesagt: mit der kWh Solarstrom, die ich selbst verbrauche, spare ich; mit der kWh Solarstrom die ich einspeise, mache ich Verluste.

 

Rechnen wir das ganze mal für unsere Anlage mit einer Laufzeit von 20 Jahren durch:

 

-          Kosten für 25 kWp und einen 5 kWp Batteriespeicher: 28.000 € (netto)

-          Jährliche Kosten für Wartung, Versicherung etc.: 300 €/6.000 € über 20 Jahre

-          Spezifischer Jahresertrag: ca. 900 kWh pro kWp; damit liegen wir etwas unter dem Durchschnitt von 950 kWh pro kWp. Das liegt daran, dass unser Dach nicht optimal ausgerichtet ist und wir auf der Südost-Seite Beschattung durch Bäume haben.

-          Die Jahresproduktion beträgt ca. 22.500 kWh, das sind in 20 Jahren also 450.000 kWh

-          Der Eigenverbrauch liegt bei ca. 5000 kWh im Jahr, also 100.000 kWh über 20 Jahre

-          Ohne E-Auto werden also 350.000 kWh eingespeist.

 

Eckdaten: 25 kWp, 900 kWh/kWp, 5 kWh Speicher, 60 % Autarkiegrad, 20 Jahre

 

kWh

 

Produktion

450.000

 

Gestehungskosten pro kWh

 

7,55 Cent

Einspeisevergütung pro kWh

 

6,25 Cent

Eigenverbrach

100.000

30.000 €

Einspeisung

350.000

21.875 €

Kosten total über 20 Jahre

 

34.000 €

Ertrag/Einsparung total über 20 Jahre

 

55.875 €

è Anlage ist bezahlt nach 12 bis 13 Jahren

 

Wir sind jedenfalls glücklich, dass wir dieses tolle Projekt nun endlich umsetzen konnten und einen erheblichen Anteil unseres Strombedarfs nun aus Sonnenergie schöpfen können! Da wir darüber hinaus noch große Mengen Strom einspeisen dürfen wir guten Gewissens behaupten, dass wir CO2-neutral produzieren!


 An dieser Stelle nun noch der Marktkommentar von Martin Schachinger:

 

Dauerhafter Krisenmodus

Was ist nur los mit der Welt, was ist los mit uns Menschen? Offenbar reicht es uns nicht, uns mit einem globalen Notstand zu beschäftigen, wir brauchen zwei, nein drei Krisen gleichzeitig! Als ob die drohende Klimakrise nicht schon genug Herausforderung wäre und es nicht ausreicht, dass uns die Corona-Krise noch immer fest im Griff hat – nun also seit Wochen eine neue weltweite Krise in der Ukraine, die unseren Alltag und die internationalen Märkte beeinflusst.

Mittlerweile ist es beinahe unmöglich geworden, auch nur einigermaßen zuverlässige Prognosen zur zukünftigen Entwicklung von Modul- und Rohstoffpreisen, Verfügbarkeiten und der Funktionsfähigkeit von Lieferketten zu machen. Man kann anhand der zur Verfügung stehenden Informationen nur mutmaßen, dass letztere tendenziell immer schlechter und daher die Preise zwangsläufig steigen werden. Immerhin ist eines weitestgehend sicher: wir brauchen die erneuerbaren Energien in zunehmendem Maße, so dass die Nachfrage nicht nachlassen, sondern eher kontinuierlich steigen wird. Wie gut diese steigende Nachfrage jedoch in Zukunft zu bedienen ist, das kann momentan niemand mit Sicherheit sagen.

 

Transport- und Energiepreise steigen

Aufgrund der andauernden Pandemie, aber erst recht seit dem Einmarsch der russischen Armee in der Ukraine fehlen in Europa bis zu 100.000 LKW-Fahrer, die ja vornehmlich aus Osteuropa kommen. Dazu explodieren die Dieselpreise gerade, so dass nach den sich vervielfachenden Seetransportkosten nun auch die Binnentransporte sehr teurer werden. Die kontinuierlich steigenden Transport- und Energiepreise beeinflussen die Kosten für Photovoltaik-Installationen noch mindestens bis zum Jahresende 2022. Auch klettern die Polysilizium-Preise schon wieder in die Höhe, was sich ebenfalls mittelfristig negativ auf den Preis von Solarmodulen auswirken wird. Zu allem Überfluss steigen die Inzidenzen in Asien gerade so schnell wie noch nie. Um seiner Null-Covid-Strategie treu zu bleiben, riegelt China gerade wieder ganze Großstädte und Sonderwirtschaftszonen ab und schickt sie in einen befristeten Lockdown. Sollte sich das Gerücht von landesweiten Maßnahmen bestätigen, wird das die weltweiten Lieferströme für viele Technologieprodukte einmal mehr zum Erliegen bringen.

Wenn diese düsteren Prognosen sich erfüllen und auch der Ukraine-Konflikt nicht zu einem schnellen Ende findet, steuern wir auf kapitale Engpässe nicht nur bei Solarzellen und Photovoltaik-Modulen, sondern auch bei Wechselrichtern, Speichern und Unterkonstruktion hin. Spätestens zur Mitte des Jahres dürfte es dann vor allem das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage sein, welches die Preise beeinflusst. Bei den momentanen Unsicherheiten durch die Corona- und die Osteuropa-Krise können die Prognosen insgesamt nur sehr vage ausfallen. Es scheint aber aus heutiger Sicht ausgeschlossen, dass eine schnelle Besserung der Lage eintritt und dadurch der Preisanstieg bei nahezu allen Komponenten, die für die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen benötigt werden, gestoppt werden kann.

 

Was ist zu tun, um auf die zu erwartende Marktsituation vorbereitet zu sein?

Die Versorgungssituation war bisher zumindest bei Solarmodulen noch ganz gut, aber das Jahr ist noch jung und der Frühling steht vor der Tür. Da die Verfügbarkeit sich vermutlich schnell verschlechtert, sind alle Akteure gut beraten, sich frühzeitig mit dem benötigten Material einzudecken. Wesentlich dramatischer sieht es jetzt schon bei manchen Wechselrichtertypen und im Energiespeichersegment aus. Einzelne Produkte oder Zubehörteile sind oft nur noch mit vier- bis sechsmonatiger Lieferzeit zu bekommen. Hier muss jeder Installateur prüfen, ob er auf Alternativprodukte umsteigen kann.

Auch bei den gängigen Modultypen und -größen ist ein Umdenken erforderlich, da viele Hersteller die kleineren, handlicheren Formate aus Wirtschaftlichkeitsgründen abgekündigt haben. Wer ältere Aufträge umsetzen muss und diese mit kleinformatigeren Modulen geplant hat, wird große Probleme bekommen, passende Produkte zu finden und sollte sich daher überlegen, ob eine komplette Neuplanung mit aktuellen Formaten und geänderten elektrischen Werten nicht die sinnvollere Alternative ist. Dennoch ist zu beachten, dass es auch bei vielen Standardprodukten im Laufe der kommenden Wochen und Monate zu dramatischen Lieferverzögerungen kommen kann.

 

Drei Krisen sind definitiv zu viele Baustellen auf einmal

Fakt ist, drei Krisen sind definitiv zu viele Baustellen auf einmal. Man möchte dieser Tage nicht in der Haut der verantwortlichen Politiker stecken. Es bleibt gar nicht die Zeit, sich mit der Lösung eines einzelnen Problems zu beschäftigen, da tun sich schon wieder zwei neue Abgründe auf. Dennoch der dringende Apell in Richtung Außen- und Gesundheitspolitik: bekommt den Euch übertragenen Job verdammt nochmal auf die Reihe und sorgt dafür, dass wir wieder ein halbwegs normales Leben ohne Kriege und Pandemien führen können. Wir müssen uns jetzt endlich auf die Bewältigung der noch viel bedrohlicheren Krise in Form des immer schneller fortschreitenden Klimawandels konzentrieren.

Wie schon Talkshow-Moderator Markus Lanz und Philosoph Richard David Precht in ihrem hörenswerten Podcast treffend bemerkten: Unsere Kinder müssen glauben, wir sind vollkommen unfähig und geistesgestört, dass wir es überhaupt so weit haben kommen lassen. Noch peinlicher ist, dass wir uns immer noch gegenseitig bekämpfen, anstatt zur erkennen, dass wir alle in einem Boot sitzen und den Klimawandel nur mit vereinten Kräften verlangsamen können.

 

22.3.2022 | Quelle: pvXchange | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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